Der letzte Bericht ist jetzt schon ein bisschen her. Daher denke ich wäre es mal wieder angebracht euch auf den neuesten Stand zu bringen. Die bisherigen Berichte haben sich immer um ein besonderes Ereignis gedreht, hatten ein großes Überthema und alles klang immer so toll. Dieser Bericht wird sich daher ein bisschen von den bisherigen unterscheiden. Ein bisschen Veränderung ist mit Sicherheit gut! Denn dieses Mal habe ich kein großes Ereignis, sondern der Bericht wird sich aus vielen kleinen Geschichten, Veränderungen und Berichten zusammensetzten.
Wir haben Samstag den 17 Dezember und es ist viertel nach 7 Uhr, morgens hier in Alberta, Kanada. Neben mir in meinem Bett habe ich die letzten Reste von dem Adventspaket meiner Großeltern mit Zimtsternen und Lebkuchen und in wenigen Minuten ist Anpfiff zum 17. Spieltag der Fußball Bundesliga. Ich habe den ersten meiner zwei „freien“ Tage und hatte eigentlich gedacht das ich wenigstens an diesen zwei Tagen ausschlafen könnte, wobei halb sieben für mich schon ausschlafen bedeutet. Damit sind wir bei der ersten Veränderung seit dem letzten Bericht: ich habe eine neue „Hauptarbeit“. Ich bin jetzt der Einlagerspezialist bei COSTCO. Zu nächst zu Costco: Das ist mittlerweile ein weltweit operierendes Unternehmen, ähnlich aufgebaut wie etwa METRO. Ein riesiges Gebäude, eine riesige Auswahl von Klamotten, jeglicher Nahrungsmittel, Ausstattung für Küche, Büro, handwerklicher Arbeit, Sport, Bad und vieles, vieles mehr. Man muss eine jährliche Mitgliedschaft erwerben um dort einkaufen zu können. Und dann kann man sein Geld dort gut loswerden! Dann aber zu meinem Aufgabenfeld: Ich lagere morgens zwischen 5 und 10 Uhr die neue Ware ein, bin also ein Regalauffüller :)
Erst mal, wie bin
ich zu dem Job gekommen? Vor 2 Monaten habe ich angefangen mich auf die Suche
nach einem neuen Job zu machen, weil es auf der Alpakafarm nicht mehr wirklich
etwas für mich zu tun gab. Ich habe alle Aufgaben erledigt, die Farm war nicht
mehr das Wrack das sich mir geboten hat als ich Anfang August meine Arbeit hier
aufgenommen habe. Zu viel möchte ich jetzt hier nicht über die Veränderungen
auf der Farm reden, aber sie befindet sich jetzt auf jeden Fall in einem guten
Zustand!
Meine Arbeitsfreien Tage verbringe ich mit Farmarbeit in diesem Fall werden Zähne und Nägel geschnitten
Ich
begann also zunächst damit in meinem Wohnort Innisfail überall meinen
Lebenslauf einzureichen. Das ging von Tankstellen, Restaurants bis zu
Produktionsfirmen für Hausisolierungen oder Wasser. Ziemlich erfolgslos! Um
hier an einen Job ran zu kommen muss man Leute kennen. Und ich kenne hier niemanden,
selbst die Farmbesitzer kennen hier nicht wirklich jemanden. Also ging es für
mich in die nächste große Stadt, Red Deer, gute 30 km von Innisfail entfernt.
Bei vier eingereichten Lebensläufen hatte ich innerhalb von drei Tagen drei
Bewerbungsgespräche. Alle drei waren sehr erfolgreich und so konnte ich mich
für eins der drei Unternehmen entscheiden. Ich entschied mich für Costco weil
ich dort die größte Herausforderung sah in einem größeren Team(insgesamt ca.
290 Mitarbeiter) und mehr Stress und Hektik gerade in der Weihnachtszeit. Bei
den anderen zwei Unternehmen wäre es sicherlich auch nett gewesen aber die
Herausforderung wäre geringer gewesen. Wenn schon denn schon. Ich bin hier um
Erfahrungen zu machen und dann will ich auch die größt möglichen Erfahrungen
machen!
Und so arbeite ich jetzt seit einem guten Monat bei Costco. Wir haben ein geniales Team und eine wirklich gute Arbeitsatmosphäre, auch morgens um 5 Uhr. Ich arbeite Hauptsächlich in der Süßigkeitenabteilung und die Arbeit macht schon Spaß. Eigentlich sollte ich fünf Tage die Woche arbeiten. Definitiv immer Freitag von 5-13.30 Uhr, sowie Samstag und Sonntag von 5-10 Uhr. Dafür unter der Woche mit zwei freien Tagen, entweder Montag, Dienstag oder Mittwoch, Donnerstag, um dann an den anderen beiden Tagen von 5-13.30 Uhr zu arbeiten und so insgesamt auf 34 Stunden die Woche zu kommen. Wenn ihr den bisherigen Artikel aufmerksam durchgelesen habt dürfte euch aufgefallen sein das der „eigentliche“ Arbeitsplan nicht der Wirklichkeit entspricht weil ich jetzt Freitag, Samstag frei habe. Und so ist es wirklich schwierig in einen Rhythmus zu kommen. Einen Rhythmus habe ich aber schon ganz gut angenommen – das frühe Aufstehen. Um fit, wach und gesättigt zur Arbeit zu kommen stehe ich morgens um drei Uhr auf. Dadurch das mein „Stundenplan“ sich in ganz anderen Bereichen bewegt als geplant habe ich die letzten neun Tage gearbeitet und bin somit auch die letzten neun Tage um drei Uhr aufgestanden. Daher wundert es mich auch nicht, dass ich heute Morgen um zwei Uhr aufgewacht bin und jetzt seit halb sieben komplett wach bin. Vor den neun Tagen hatte ich zwei Tage frei, davor aber 11 Arbeitstage mit einem Tag Unterbrechung. Bis auf Müdigkeit hat mein Körper bisher aber keine negativen Auswirkungen zu spüren bekommen. Trotzdem wird es interessant zu sehen sein wie sich der unrhythmische Arbeitsplan auf meinen Körper nach ein paar Monaten auswirkt.
Aber ich habe jetzt dort meinen Platz gefunden und Costco scheint mit mir sehr zufrieden zu sein, denn obwohl meine Arbeitsgenehmigung bis Ende Juli 2012 beschränkt ist und ich angedeutet habe das ich eventuell schon Ende März wieder zurück nach Deutschland gehe haben sie mir einen neuen Vertrag gegeben der es mir ermöglicht so lange dort zu bleiben wie ich will(ich war zunächst Saisonarbeiter bis zum 15. Januar). Es gab genug Kanadische Interessenten die gerne einen langfristigen Vertrag gehabt hätten und die dann auch dort für die nächsten Jahre wären. Aber da hat sich meine Arbeit wohl ausgezeichnet und es war immer wieder lustig, weil ständig andere Mitarbeiter die teilweise schon seit 15, 16 Jahren dort arbeiten oder Vorgesetzte zu mir kamen und meinten sie hätten noch nie so einen hart arbeitenden Mitarbeiter gesehen. Ich unterscheide mich aber auch vom größten Teil der anderen Mitarbeiter weil ich nicht nur einfach meine Arbeit mache und „Befehle“ ausführe sondern versuche auch mitzudenken und Dinge zu hinterfragen.
Somit trage ich natürlich auch zu einem guten Bild der deutschen in Kanada bei :) aber ich merke auch, dass ich mir dieser Arbeit hier völlig unterfordert bin und das Lernen absolut vermisse! Für die Monate die ich noch hier bin ist es schon in Ordnung, aber länger könnte ich diese Tätigkeit nicht ausführen! Ich nutzte aber die Möglichkeiten die das Team hier bietet. Denn Kanada ist ein Einwanderungsland und das zeigt sich auch hier. Das Mitarbeiterteam besteht also aus Leuten mit viel unterschiedlicher Herkunft und das versuche ich zu nutzten indem ich ein paar Basics der unterschiedlichen Sprachen lerne: Finnisch, Spanisch, Arabisch und Chinesisch. Und einhergehend damit lerne ich auch viel über die unterschiedlichen Kulturen. Gott ist gut! (Das kann ich jetzt auch schon in Finnisch, Spanisch und Italienisch sagen)
Das ist jetzt im Prinzip der zweite Teil des Berichtes, weil nun schon ein paar Tage vergangen sind seit ich mit dem Bericht begonnen habe. Wir haben den 25. Dezember und ich sitze wieder in meinem Bett. Dieses Mal mit einer Box selbstgebackener Plätzchen von meinen anderen Großeltern. Hinter mir liegen ein paar tolle volle Tage. Die Besorgung von den letzten Geschenken, der Umzug einer Arbeitskollegin und Weihnachten. Christmas Turkey Dinner, mein erster „Stuffing-Sock“ und tolle Skypesessions mit meiner Familie. Ich hatte weiße Weihnachten, das kann ich schon mal festhalten. Aber das auch nur sehr knapp, weil wir es hier so warm haben wie sonst nur ganz selten an Weihnachten – meine Familie hier auf der Farm konnte sich nur an ein Jahr vor knapp 40 Jahren erinnern an dem kein Schnee an Weihnachten lag. Die letzten Tage hatten wir tagsüber immer Plusgrade, aber es lag vorab noch genug, damit es jetzt noch weiß ist. Es ist ja ganz nett mit den Plusgraden, gerade beim Ausmisten der Alpakascheiße. Aber ich habe die Minusgrade definitiv lieber und ich freue mich schon auf die Tage mit 30, 40 Grad below! Ich habe jetzt auch wieder angefangen mit Joggen. Joggen im Flachland ist normalerweise ziemlich langweilig, aber mit dem Schnee und den kühleren Temperaturen ist es ein bisschen eine Herausforderung. Und es wird früher oder später zu einem Kampf und daher nutze ich jetzt die Gelegenheit um mich darauf schon mal vor zubereiten.
Und jetzt sind
wir beim dritten Teil und wir befinden uns bereits im Jahr 2012. Ihr seht also
das ich momentan Probleme habe diesen Bericht mal in einem Stück und zügig zum
Abschluss zu bringen. Kommt eher selten vor, aber es gibt ein paar Dinge die
mich momentan davon abhalten: Obwohl ich noch ein bisschen hier bin muss ich
natürlich schon mit einem Auge auf meine Zeit in Deutschland blicken und auf
meine berufliche Zukunft. Dementsprechend bin ich an Bewerbungen dran, ebenso
ist Hockey ein Ablenkungsfaktor! Zuletzt waren die Bedingungen auf dem See noch
gut und ich habe dort natürlich ein bisschen Zeit beim Freischaufeln einer Spielfläche
und dann selber beim aktiven spielen investiert. Und dann gibt es noch
dienstags und donnerstags die Möglichkeit in der Arena für drei Dollar ein
bisschen Shinny zu spielen(Eishockey ohne groß Ausrüstung). Zuletzt hatten wir
sogar einen Goalie dabei und so konnte ich das erste Mal den Versuch starten
ein Tor gegen einen Torhüter im Hockey zu erzielen – und es blieb nicht nur
beim Versuch :)


Die einzigen zwei Kanadier die gegen mich antreten wollten
Und dann gibt es noch einen dritten und entscheidenden Grund der mich vom schreiben abhielt… ich bin auf der Suche nach einer neuen Wohnung. Da haben wir dann die erste große Veränderung 2012. Nach fünf Monaten auf der Dodd’s Lake Alpaka Farm und einer sehr genialen Zeit mit der Familie Greenwood denke ich eine Veränderung wäre gut für mich. Ich habe den Leuten hier sehr gerne geholfen und es war wirklich eine sehr gute Zeit die ich hier hatte, was sich wahrscheinlich auch in meinen bisherigen Berichten wiederspiegelt. Aber es Zeit für etwas neues, Gott wird etwas geniales für mich vorbereitet haben und ich bin schon gespannt wie das „Neue“ aussehen wird. Darüber wird es dann auch in Kürze einen Bericht geben.
An dieser Stelle werde ich jetzt ein kurzes Fazit zum Jahr 2011 ziehen: Überragend!!! Das erste Halbjahr 2011 bis Ende Juni habe noch bei der Bundeswehr verbracht… eine weltklasse Zeit. Überragender Arbeitsplatz: Mittenwald an der Grenze zu Österreich. Überragendes Aufgabenfeld: Gebirgsjäger, Aufklärer und Panzerfahrer. Und überragende Kameradschaft - ein Jahr lang, mit Freundschaften die ein Leben lang halten werden! Dann gab es einen Monat in dem viel „Auf Wiedersehen“ gesagt wurde. Und nun bin ich seit gut fünf Monaten hier in Kanada. Mein absolutes Traumland und einige Träume haben sich hier erfüllt. Ich habe Toronto und die Niagara Falls gesehen. Ich war einige Tage im Banff National Park unterwegs, bin mit einem Panoramazug durch die Rocky Mountains gefahren, habe Victoria und Vancouver gesehen und habe mein kleines Abenteuer entlang der Westküste gehabt. Ich habe bei minus 25°C Hockey auf dem See gespielt und habe in der Hockeyarena das erste Mal ernsthaft Eishockey gespielt. Ich habe ein NHL Game live gesehen und ich habe mehr Spiele der NFL gesehen als in den 20 Jahren davor. Aber entscheidend ist aber vor allem der riesige Gewinn an Erfahrungen und das Gewissen genau das Richtige gemacht zu haben. Und jetzt werde ich meine letzten drei Monate einfach noch genießen.

Santa-Claus kennt mein Team























Zusammenschlüsse
09.09.11 @ 22:07:06
von martina
poser :P und gutes wetter da ...
30.07.11 @ 10:53:50
von felix