Fortsetzung:
Das mulmige Gefühl wurde hervorgerufen durch die Tatsache, dass ich gaaaanz alleine an diesem Campground war, ich kein Zelt mitgenommen habe und stattdessen nur die Regenplane von einem Zelt und eine Plane für den Schlafsack, damit er trocken bleibt… einfach ein bisschen Biwakmäßiger als Zelten, der guten alten Bundeswehrzeiten wegen – und während ich meine Bratkartoffeln und Würstchen in der Pfanne rausgebraten habe, kamen die Bilder von Fußabdrücken von Bären und Berglöwen, sowie die Warnschilder es halte sich zwischen km 42 und 46 ein Berglöwe auf der zuletzt öfter gesichtet wurde, wieder hoch. Ich befand mich gerade bei km 46, der Geruch von meinem Essen war nicht unbedingt abschreckend und der gefühlte Schutz eines Zeltes war auch nicht vorhanden…
Ich hatte aber keinen Zwischenfall mit irgendeiner Art von Tier – dafür aber einen unglaublichen Moment am nächsten Morgen: Als Kind waren der Löwe und der Weißkopfseeadler meine absoluten Lieblingstiere, einer der Gründe warum Kanada schon immer eine Anziehungskraft auf mich hatte. Bereits am zweiten Tag hatte ich einen Weißkopfseeadler aus der Ferne gesehen, aber an diesem Donnerstag dem 29. September 2011 hatte ich dann „DIE“ Begegnung als ein wunderschöner Weißkopfseeadler einige Minuten über mir seine Kreise zog. So wurde mein nächster Traum erfüllt :)
Zusätzlich standen aber noch ein paar Kilometer zwischen mir und dem Ziel. Genauer gesagt 29 km und der härteste Abschnitt. Dementsprechend hat es nicht gut in mein Konzept gepasst das ich verschlafen hatte, weil ich mein Handy nicht gehört habe. So gab es kein Frühstück für mich sondern erst einmal 12 km Marsch um mich dann vor dem härtesten letzten Abschnitt zu stärken und eine Mahlzeit zu mir zu nehmen. Am km 58 kamen mir dann gerade drei Wanderer aus der anderen Richtung entgegen die erwähnten das sie für ein paar Abschnitte 0,8km/Stunde gebraucht hätten, was mich eher entmutigte als motivierte. Aber ich habe mich natürlich nicht lange in diesem Motivationsloch aufgehalten, habe den Mp3-Player eingeschalten, aufgedreht und bin letzten Teil angegangen.

Rauf und runter....

.....und mitten durch
Es war definitiv der härteste Part, das steht außer Frage. Es ging rauf und runter, mehr als sonst. Es war größtenteils ein Sumpfgebiet und der Regen der Woche bevor ich gestartet bin trug auch seinen Teil dazu bei. Trotzdem hatte ich unter dem härtesten Part noch einmal etwas anderes erwartet, ein Sumpfgebiet in dem es keinen Ausweg gibt… weil hier gab es immer wieder irgendwo eine Wurzel oder ein Stock der aus dem Sumpf herausragte. Natürlich machen das die wenigsten, aber ich bin auch nicht immer der größte Fan von den konventionellen Lösungen – weshalb ich einfach von Wurzel zu Stock zu Wurzel gehüpft bin. Das ist mit einem ordentlichem Rucksack sicherlich nicht immer die sicherste Lösung, aber sie hat mich ans Ziel gebracht, und das auch weitaus schneller als mit 800 Metern pro Stunde. Trotzdem musste/durfte ich noch eine weitere Nacht auf dem Trail verbringen. Denn es gibt an zwei Stellen auf dem Trail Flussüberquerungen die nur per Boot möglich sind und der zweite befand sich direkt vor dem Ziel. Problem dabei ist nur das der „Fähren“ Betreiber nur bis 16.30 Uhr da ist. Und so standen für mich am letzten Tag noch 5 km an, da ich am letzten möglichen Campground mein „Zelt „ aufschlug. Und so waren es im Endeffekt vier Tage an denen ich unterwegs war. Da ich aber am ersten Tag um 14.00 Uhr gestartet bin und es am letzten Tag um 11.00 Uhr beendet habe waren keine drei Tage die ich unterwegs war. Ich habe meine Erwartungen übertroffen, habe gut gearbeitet, war glücklich und zufrieden und trotzdem trennten mich noch weitere 120 km von Victoria und einem Bett. Der Shuttlebus zwischen Victoria und dem Trail fuhr zuletzt am 29.09 weshalb ich mich schon im Voraus dafür entschieden hatte mein Fahrrad mitzunehmen es am Südstartpunkt ab zu setzten und am Nordstartpunkt anzufangen, damit ich dann weniger Strecke nach Victoria zu haben.
Bestanden!
Nach einer halben Stunde Pause und einem kleinen Snack ging es weiter in die Hauptstadt British Columbias. In meinen Planungen die ich zu Hause in Innisfail durchgeführt hatte habe ich mit einer flachen Strecke gerechnet da sich die Straße grob entlang der Küste entlang zieht – aber wie auch auf dem Trail die letzten drei Tage war es ein einziges auf und ab, nur noch einmal in einer größeren Dimension! Dadurch das ich jetzt schon ein bisschen Arbeit in den Beinen stecken hatte und immer noch einen großen Rucksack auf dem Rücken erinnerten mich die sich vor mir endlosen Steigungen eher an eine Etappe der Tour de France durch die Pyrenäen als an einen Kanadischen Küstenstreifen. Nach einer knappen Stunde hatte ich endlich den ersten „Hügel/Anstieg/Berg“ geschafft, nachdem ich nach gut 45 Minuten für ein paar Meter vom Fahrrad steigen musste und schieben musste. Eine kurze und schnelle Abfahrt folgte bevor es wieder hoch ging. Der Rucksack drückte mich tief in den Sattel und ich war sehr glücklich das ich einen „Gel-Polster-Überzug“ für meinen harten Mountainbike Sattel dabei hatte. Trotzdem ließ mich die Sorge nicht los das mein ständiges Fahrradfahren mit schweren Rucksäcken(Niagara Fälle, Banff National Park und jetzt hier) Nachwirkungen haben könnte… Ich hatte einmal gehört das dabei gewisse Nerven abgeklemmt werden und Impotenz die Folge sein kann :| Das war dann aber nicht der Hauptgrund für mein Umdenken den Versuch zu starten per Tramping zurück nach Victoria zu kommen. Ich musste meinen Stolz überwinden und da mein Hostel in Vancouver bereits gebucht war hing die Möglichkeit Victoria wirklich zu sehen davon ab wann ich dort eintreffen würde. Kurz nachdem ich mit dem Fahrrad gestartet war traf ich auf zwei Jugendliche die mich nach meinem Ziel fragten und meinten das sie dieselbe Strecke öfters mit dem Fahrrad fahren und 7-8 Stunden brauchen. Die sind im Gegensatz zu mir aber nicht auf dem West Coast Trail vorher unterwegs und haben kein vergleichbar schweres Gepäck dabei. Ich wollte keine weitere Nacht im Freien verbringen sondern duschen und in Ruhe schlafen! Nach 2 ½ Stunden hatte jemand Erbarmen mit mir und nahm mich in seinem Pick-up mit in den ersten Vorort von Victoria, von wo aus ich dann mit dem Bus nach Victoria kam.
Nach ein paar guten Stunden Schlaf gönnte ich mir einen entspannten Spaziergang Tag durch entlang des Hafens in Victoria. Mit durchschnittlich ca. 750 Metern pro Stunde schlenderte ich in Jogginghosen umher setzte mich an geeigneten Punkten auf eine Bank, machte bewusst keine Fotos sondern genoss einfach die angenehm ruhige Stimmung und Atmosphäre die ich so in einer 330,000 (mit Region) Einwohner Stadt nicht erwartet hatte. Am späten Nachmittag war ich dann wieder bereit für einen Tempowechsel. Nach einem Blick auf die Stadtkarte entdeckte ich einen Park mit ein paar Bolzplätzen. Dementsprechend schwang ich mich auf mein Fahrrad und hoffte auf eine Möglichkeit zum kicken. Vergeblich! Fußball spielen ist hier nicht populär genug als das man an einem schönen späten Samstagnachmittag ein paar Jungs zum kicken trifft. Aber ich garantiere euch, eines Tages werden auch die Kanadier Fußball verstehen. Natürlich, Kanada ist das Land des Hockey(unser Eishockey, die gucken dich aber blöd an wenn du „Icehockey“ sagst – unser Hockey heißt „Fieldhockey“ hier). Aber der „Fußball“ ist aufgrund seiner Einfachheit so genial! Du brauchst nur einen Ball! Das ist es… beim Hockey hingegen brauchst du Eis und Ausrüstung. Wenn du im Verein spielst zahlst du beim Hockey das 5 bis 10fache gegenüber dem Fußball. Auch wenn ich den Hockeysport lieber mag als Fußball, aber ein Ball vereint die ganze Welt! Irgendwann werden sie es verstehen :) Aber zurück zu meinem Ausgangspunkt… Es gab niemanden zum kicken und stattdessen habe ich mir dann einen weiteren wunderschönen Sonnenuntergang an der Westküste Kanadas angeguckt. Am nächsten Tag ging es dann wieder zurück nach Vancouver. Vorher gab es aber noch ein weiteres kleines Highlight. Eine Waffel bei „West Coast Waffles“ – drei junge Männer mit einer Geschäftsidee die mir sehr gut gefallen und geschmeckt hat!
Wildlife in Victoria
"West Coast Waffles"
Zurück in Vancouver ging es zunächst ins Hostel und dann mit dem Fahrrad ein bisschen durch die City um ein Gefühl für die Stadt zu bekommen, damit ich weiß wie viel Zeit ich für welche Touren in den nächsten Tagen einplanen sollte. Und zum Abschluss habe ich noch ein bisschen NFL(American Football) bei McDonalds angeguckt. McDonalds hatte aber noch mehr zu bieten als Liveübertragungen von NFL Spielen. Bezahlbare Preise! In Victoria hatte ich mir gedacht das ich mir ja nach der „Arbeit“ auf dem West Coast Trail was gönnen könnte. Nachdem ich dann aber 30 Dollar für ein nettes Frühstück und einen Mittagsimbiss ausgegeben hatte kam schnell das Umdenken. Für Specials wie die bereits erwähnte Waffel habe ich aber gerne ein bisschen mehr ausgegeben. Man reißt ja nicht alle Tage an der Kanadas Westküste herum. Abgesehen von den Preisen gibt es aber noch weitere Besonderheiten die mir dort aufgefallen sind: zum einen die Freundlichkeit. So bedankt sich zum Beispiel jeder Fahrgast vor dem Verlassen des Buses beim Fahrer. Die Sportbegeisterung(abgesehen vom Fußball). Die Leute in Victoria und Vancouver sind wirklich sehr aktiv, hier versucht sich jeder fit zu halten. Zusätzlich dazu achten die Leute dort sehr auf ihr Essen – „Organic Food“ wird hier ganz groß geschrieben! Die Autos. Das ist der absolute Kontrast zu Alberta, der Provinz in der ich momentan wohne. Alberta ist die Provinz der Cowboys, der harten Jungs(genau der richtige Ort für mich J) – hier versuchen sich die Leute mit der Größe ihrer Autos(Pick-ups) zu übertreffen. Alberta ist von der Fahrzeugwahl ähnlich den Amerikanern. British Columbia und im speziellen Vancouver/Victoria ist eher europäisch. Die wissen die gute deutsche Qualität zu schätzen und daher sieht man viele BMW’s, Audis, VW’s und Benze’s. Ein klein wenig heimisch habe ich mich schon gefühlt! Aber es gibt noch ein bisschen mehr: Die Obdachlosen. Aufgrund der warmen Temperaturen, das ganze Jahr über ist Van und Vic ein beliebter Platz für Obdachlose. Es kommt natürlich noch hinzu das, dass eine Tourismusregion ist und es hier nicht an Geld mangelt aber ich will es niemanden übel nehmen wenn er ohne Dach über dem Kopf den Winter nicht in Alberta oder anderswo verbringen will. Einen Bericht zum Albertischen Winter wird es noch geben.
Und habe ich eigentlich schon erwähnt das es dort viele Sportbegeisterte gibt? Morgens beim Joggen habe ich das gesehen, einen weiteren imposanten Beweis habe ich bekommen als ich mich an Grouse Mountain versucht habe – The Peak of Vancouver. Im Norden Vancouvers erheben sich ein paar Berge und Grouse Mnt wird von den Einheimischen als „Überprüfung“ des eigenen Fitnessstandes genommen. Ich wollte natürlich auch ein bisschen Sport machen. Bevor es losging habe ich mich nochmal über die Wege erkundigt und mir wurde gesagt das man mit 1 ½ bis 2 Stunden rechnen soll. Ich habe gute 41 Minuten gebraucht und war der Meinung das die Zeit in Ordnung wäre … :D das böse Erwachen gab es dann an der Gipfelstation

Ich wäre also in der Altersklasse 70-79 der Männer und 50-59 der Frauen in der Top Drei gewesen!!! Saubere Leistung Bene :) Der Streckenrekord liegt bei knapp 25 Minuten. Man kann seine Zeiten messen, indem man ein „Stoppuhr“ erwirbt in dem der Name und das Alter gespeichert ist, bevor man losläuft hält man die Uhr an einen Sensor. Oben bei der Ankunft nochmal mit der Uhr an den Sensor und dann wird einem die eigene Zeit auf dem Bildschirm gezeigt. Und diese Typen machen das dann halt 1,2,3 mal die Woche. Zu meiner Verteidigung muss ich natürlich dazu sagen das die dann im Normalfall mit der Gondel runterfahren und mit dem Auto wieder nach Hause. Ich bin mit dem Fahrrad gekommen(hinzu gings nur Bergauf – zurück gabs dann eine spaßige Fahrt Bergab) und ich habe natürlich nicht die Gondel genommen und was man als Gebirgsjäger lernt ist das man sich nie 100% auf dem Weg nach oben verausgaben sollte, damit man noch Kraft und Konzentration für den Runtermarsch hat. Nein, aber das ist schon krass was da einige machen!


Ansonsten habe ich mir ein paar Sachen angeguckt, gechillt und genossen. Zurück zu hatte ich mich wieder für den Zug entschieden. Wieder mal eine sehr gut Entscheidung! Das Wetter war besser als auf der Hinfahrt, die Farben waren intensiver und auf den Gipfeln lag schon Schnee. So habe wieder ein paar sehr schöne Fotos bekommen, ich habe mich aber dafür entschieden mich weniger mit meiner Kamera zu beschäftigen und stattdessen die Fahrt einfach zu genießen und diese Unglaublichen Eindrücke für mich mitzunehmen.
Mount Robson, mit knapp 4000 Metern, höchster Berg in den Kanadischen Rockies
Bis auf die fehlende Koordinierungsfähigkeit der VIA RAIL(Wir sind eine halbe Stunde vor Abfahrttermin losgefahren, nach kurzer Zeit wurde ihnen aber klar das noch nicht alle Gäste und noch nicht das komplette Gepäck an Bord war. Zudem standen wir eine viertel Stunde von meinem Zielbahnhof entfernt für gute 1 ½ Stunden, Züge wurden vorgeschickt, wieder zurück geschickt, wir sind vor gefahren, wieder zurück und so weiter bis wir es endlich geschafft hatten) – Wenn man überlegt das pro Tag vielleicht zehn Züge durch Edmonton fahren und die Beamten dort den Überblick über ganze sieben Gleise behalten müssen ist das Ergebnis schon sehr ernüchternd. Trotzdem Alles in Allem war das eine überragend sensationelle Zeit mit super Erlebnissen!!!
Zusammenschlüsse
09.09.11 @ 22:07:06
von martina
poser :P und gutes wetter da ...
30.07.11 @ 10:53:50
von felix